Horde blau

Sie stehen nachts am Straßenrand
und pissen vor die Tür´n
Sie hörn sich gerne brüllen
und sie können nicht verliern

Am liebsten in der Horde blau
zur Not geht’s auch allein
Sie züchten fiese Hunde
und sie feiern im Verein

Solche Männer mögen leider kein Konfetti unterm Haar

Sie haben nichtmal Haare, das ist wirklich sonderbar

Solche Männer sind Soldaten
oder wären´s gern geworden
Was der Pappa kann
kann ich schon lang
und Schluß!

Ein Kamerädlein steht im Walde
irgendwo im Kosovo
Es schmeißt die nächste Pille ein
Jetz isses wieder froh

Das Handy klingelt volkstümlich
„Das kann nur Mutti sein !“
Die Kumpels in der Heimat
grillen grad ein wildes Schwein

Solche Männer mögen leider kein Konfetti unterm Haar . . .

Ihr Rhythmus kennt Marschieren
nur, das Geh´n „linkszwodreivier“
Die Gemeinschaft zelebrieren
sie verwechseln „mich“ und „mir“

Wenn sie Eichen seh´n und Moose
weinen - goetheschillerstolz -
Ein paar Tropfen in die Hose
sie diskret ins Unterholz

Solche Männer mögen leider kein Konfetti unterm Haar . . .


Mein Leben zwischen den Jahrhunderten

Sehr verehrtes Publikum, ich stehe hier als ein Mensch ohne Geld und Glauben vor Ihnen. Das eine Jahrhundert ging, das andere kam, die Zeiten gaben sich die Klinke in die Hand und nicht nur dem Engel der Geschichte steht  ständig der Mund offen, wenn man bedenkt wie wenig das Heute dem Gestern gleicht, zumindest äußerlich. Und nichts anderes zählt ja heut, als das Offensichtliche, das, was scheint.
Was bleibt, ist meine religiöse Abstinenz, und Abstinenz ist wohl auch die richtige Bezeichnung für mein Verhältnis zum Geld, doch dazu später.
Es trug sich zu, daß meine Kindheit in eine jener galaktische ORT-ZEIT-SPANNEN fiel, in der die Menschen das Oben nach unten und Unten nach oben zu kehren trachteten. So lehrte man mich, Schlösser und ihre prächtigen Gartenanlagen zu verachten, da sie die Herrschaft Weniger über Viele repräsentierten, was total einleuchtend war. Genauso wie die Tatsache, daß Ländereien, Wälder und Seen allen gehörten, also auch mir. Könige, Prinzessinnen und andere adelige Herrschaften gab es nur im Märchen, wo sie hingehörten. Genau wie Gott. Es gab einfach keinen Gott bei uns, nicht in meiner Straße und nicht im Stadtviertel, jedenfalls wenn man vom Kneipenwirt um die Ecke absah, dessen respektable Allmacht offensichtlich war. Ihr Bedürfnis nach allumfassender Liebe und Einssein mit dem Universum lebten die Erwachsenen in ebenjener Kneipe aus. Uns Kindern blieb die Solidaritätsbewegung, die erste mir namentlich bekannte Form von Globalisierung. Alle Kinder, weltweit, waren meine Freunde. weiterlesen

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