Goethe

Auszug aus „Deutschland. Ein Hundetraum“ (Edition AV, 2004)

Nach und nach hatte man Goethe einfach vergessen. Komplett vergessen. So hat er es mir jedenfalls erzählt. Aber Goethe hat ja manchmal auch richtigen Quatsch erzählt. Beispielsweise behauptete er steif und fest, er habe bei Bloch und Adorno Philosophie studiert, und das war ganz bestimmt erfunden. Sicher, gelesen hatte er das entsprechende Zeug wohl, zumindest konnte er jeden damit an die Wand diskutieren, wenn ihm danach war. Aber um tatsächlich in den Vorlesungen der Herren gesessen zu haben, hätte er doch erheblich älter sein müssen. Nicht, dass ich sicher sagen könnte, wie alt er war, als wir uns das erste Mal trafen, aber sah aus wie Ende Dreißig, also ungefähr mein Jahrgang. weiterlesen

Wie blöde Ideen in die Welt kommen
(ein - vielleicht - wahres Märchen)

Aus: „Freier Fall für freie Bürger“ (Edition AV, 2006)

Am Montag den 9. Mai 2005 war es, genau einen Tag nach dem 60. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus, als uns das Magazin DER SPIEGEL auch von der publizistischen Nachbereitung desselben befreite.

Sicher, im Fernsehen lief weiterhin die Endlösung der Endreimfrage „Speer und Er“, Bernd Eichingers Nationalepos „Der Untergang“ war gerade erst als DVD erschienen, und Guido Knopp bastelte immer noch an seiner sechsteiligen Enthüllungsserie „Hitlers Schuppenshampoo“. Ja, Gerhard Schröder musste an jenem Tag sogar noch in Moskau die hochglanzpolierten Elitetruppen, Panzer und Langstreckenraketen seines Kumpels Wladimir mahnend an sich vorüberziehen lassen. Aber DER SPIEGEL, Zentralorgan journalistischer Themenfindung in Deutschland hatte bereits die Kehrtwende vollzogen. Nach geschätzten 6 und gefühlten 150 Führer-Titelbildern in den letzten Monaten, war das Magazin nun wieder zu seinem zweiten Lieblingsthema – der Ausbeutung des armen Staates durch Alte, Kranke und Arbeitslose – zurückgekehrt.

„Wohin mit Oma?“ lautete diesmal der Titel. Darunter: Die Karikatur eines perfide bettelnd dreinschauenden 90jährigen Volksschädlings, der einfach nicht totgehen will. Wenn das der Führer wüsste! weiterlesen

An die Nachwelt

Aus: „Weltmeister wie wir“ (Edition AV, 2008)

Lieber Leser aus der ferneren Zukunft, dieses Buch ist für Dich. Das mag Dir vielleicht sonderbar erscheinen, da die spezielle Form tagespolitischer Betrachtungen, die hier präsentiert wird, in der Regel eher weniger geeignet ist, die Zeitläufte zu überdauern. Aber an wen könnte ich mich wenden, wenn nicht an Dich? weiterlesen

HAUT

(Roman-Auszug)

Sind Sie bereit? Ich bin es – bereit, Ihnen alles zu erzählen und jede Frage ehrlich zu beantworten. Es wäre ja sinnlos jetzt noch zu lügen. Die Lüge ist ein Element Ihrer Welt. Ein ebenso schönes wie unverzichtbares Element – keine Frage. Ich habe die Lüge geliebt wie mich selbst, wobei die Grenzen zwischen mir und ihr im Nachhinein schwer zu bestimmen sind. Aber hier drinnen gibt es nur Wahrheiten, und vielleicht werde ich irgendwann wissen, ob das ein Segen, ein Fluch oder letztlich bedeutungslos ist. Wie dem auch sei, ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung. weiterlesen

 

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