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    Newsletter Juli/August

    Posted by on Jul 13, 2017

    Liebe Freunde von Wort & Ton,

    da hat sich die Redaktion der BILD-Zeitung aber gefreut: Endlich mal wieder die erste Seite mit Begriffen wie “linke Chaoten” oder “Gewalt von links” garnieren können – wie geil ist das denn! Die WELT unterbietet das noch: „Anarchie, Hölle…“. Bei all den brennenden Flüchtlingsheimen und Volksmob-Happenings der letzten Jahre hatte es zwischenzeitlich sicher so manchen Schlagzeilenpoeten wegen nicht (mehr) artgerechter Haltung auf die Therapiecouch verschlagen. Da ist es fast verständlich, dass man zur Feier der Wiederherstellung springerscher Journalistennormalität ein bisschen übers Ziel hinausschoss und unter dem Titel “GESUCHT” die Fotos minderjähriger mutmaßlicher Randalierer durch die Republik schickte. Schade nur, dass durch Fehlberechnung der Fotogrößen das “DEAD OR ALIVE!” aus dem Satzspiegel rutschte …

    Nun ist es zwar unglaublich dämlich, nutzlos und kontraproduktiv, Kleinwagen und Läden von Leuten anzuzünden bzw. zu demolieren, die tagtäglich um ihr kleines Auskommen im großen G20-Kapitalismus kämpfen, keine Frage. Aber auch in größerem Maßstab wird aus Sachbeschädigung noch lange kein Mord – ganz gleich, wie lieb das manchen rechten Redakteuren wäre. Den Unterschied zwischen beiden Delikten erkennt man hierzulande zuverlässig an den jeweiligen Entschädigungen.

    So wurde den Laden- und Autobesitzern aus dem Schanzenviertel bereits wenige Tage nach den Ausschreitungen “volle Entschädigung” aus der Staatskasse zugesagt. Bei den Familien der NSU-Opfer dagegen dauerte es nach der Selbstenttarnung der Terror ein ganzes Jahr, bis ihnen wenigstens ein vorläufiges Schmerzensgeld von 5 bis 10.000 Euro zugebilligt wurde. Und wenn es gar um Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus geht, bleibt das öffentliche Säckel in der Regel fest verzurrt. Die Vietnamesen etwa, die anno 1992 wie durch ein Wunder den Volkssturm auf das Rostocker Sonnenblumenhaus überlebten, haben bis heute genau … 0 Euro erhalten. Nicht, dass wir mit dieser Information den Anspruch der Hamburger auf Entschädigung infrage stellen wollten, aber es schadet ja auch nichts, sich solche Zahlen hin und wieder zu vergegenwärtigen.

    Kommen wir zu den schönen Nachrichten: Manja Präkels‘ Debütroman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß ist endlich in der Druckerei und erscheint am 31. Juli. Sie erzählt darin vom Verschwinden der DDR in einem brandenburgischen Kleinstadtidyll, dem Auftauchen verloren geglaubter Gespenster, von Freundschaft und Wut. Das Buch wird – noch vor offizieller Einführung – das erste sein, das mit einem Versalien-ß im Titel erscheint. Ein echtes Sammlerstück für Bibliophile also! Die dazugehörige Lesereihe beginnt im September mit der offiziellen Premiere in der fabelhaften Fahimi-Bar.

    Bereits im August startet Markus Liskes neue Lesereihe „Atomtod und Rüschenhemd“, eine kulturhistorisch-literarische Reise in die Bad Old Nineties, featured by Jungle World und Verbrecher Verlag.

    Selbst die Rabenbande vom SINGENDEN TRESEN bleibt in diesem Sommer bühnenaktiv: Anlässlich der Ermordung Erich Mühsams vor 83 Jahren zeigen wir unsere Geisterbeschwörung „Das seid ihr Hunde wert!“ in der Hufeisensiedlung, wo Mühsam bis zu seiner Verhaftung 1934 wohnte. Konzert & Lesung finden diesmal unter dem Motto „…und erfüllt ihr Hoffen“ im Rahmen des „Festivals für ein offenes und solidarisches Neukölln“ statt. Schon am nächsten Tag heißt es dann „Schiff Ahoi“, wenn die Tresencrew das wunderbare Fest am historischen Hafen zum ausklingen bringt.

    Hier die anstehenden …

    TERMINE

    Sa. 15. Juli – 18:00
    “Das seid ihr Hunde wert! / Mühsamblues” – Eine Hommage an Erich Mühsam
    mit: Manja Präkels, Markus Liske & DER SINGENDE TRESEN
    Erich Mühsam Gedenk- und Sommerfest
    Im Hufeisen der Hufeisensiedlung
    Fritz-Reuter-Allee 46
    Berlin-Neukölln

    So. 16. Juli – 18:00
    DER SINGENDE TRESEN
    Hafenfest im Historischen Hafen
    Märkisches Ufer, Ecke Inselstraße
    Berlin-Mitte

    Sa. 26. August – 20:00
    Markus Liske liest: „Atomtod und Rüschenhemd“
    featured by Jungle World und Verbrecher Verlag
    Literaturcafé Periplaneta
    Berlin-Prenzlauer Berg

    (Datum folgt!) September – 21:00
    BUCHPRÄSENTATION!
    Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ (Verbrecher Verlag)
    Fahimi Bar
    Berlin-Kreuzberg

    Eure Protestcamper in der
    Gedankenmanufaktur WORT & TON