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    Dichtung und Elend

    Posted by on Aug 18, 2014

    Wer das sagt, der lügt,
    Dass die Sonne nachts schläft;
    Geht die Sonne dort auf,
    Wo sie abends untergeht?

    Lettisches Volkslied

    Ein Lada überquerte die zugefrorene Daugava, passierte die Eisangler mit dem Atemwölkchen, schlitterte kurz, fuhr weiter. Riga lag unter einer dicken Schneedecke. An den Straßenrändern türmten sich kleine Eisberge, an denen schweigend ein Heer von Mützen entlang marschierte. Die Menschen waren mit ihren zielgerichteten Schritten, den eingezogenen Köpfen und dunklen, wetterfesten Kleidern kaum voneinander zu unterscheiden. Es fiel leicht, ihnen zu folgen, mitzulaufen, ein Teil des Stroms zu sein, der sich in Richtung der alten Zeppelinhallen an diesem frühen Morgen Anfang März formierte .
    Mir blieb nicht viel Zeit. Der Bus nach Ventspils fuhr pünktlich, jeder schien seinen Platz zu kennen und das Gebot, zu schweigen. Stumm blickten wir durch die Scheiben auf das leere Land mit seinen windschiefen Kiefern und raren, halb zerfallenen Siedlungen, während der Bus über Schlaglöcher rumpelte.

    Die kleine Stadt am Meer grüßte stürmisch. Der Wind peitschte uns mit solcher Wucht vom Hafen her entgegen, dass es unmöglich erschien, auszuatmen. Freunde hatten mich gewarnt: die Frühjahrsstürme! Sie würden den Meeresgrund aufwühlen und Bernstein an den kilometerlangen Sandstrand spülen, den geschäftige Sammler im kommenden Sommer an die Touristen in der Rigaer Innenstadt verhökern würden. Die See tobte, mattschwarz, hörbar.

    Im Haus begrüßte mich ein freundlicher Zottel in selbstgestrickter Tracht. Die Winter waren offensichtlich hart, dunkel und lang. Er entpuppte sich als lettischer Poet, der sich im vergangenen Frühjahr dort im Haus verliebt hatte und somit hängen geblieben war. Nun gelte es, die hochschwangere Freundin zu ernähren. „Bei uns haben wir sehr wenig Platz und keine Küche. Ich benutze manchmal den Backofen hier.“ Während er mir mein Zimmer zeigte, schwärmte Gundars von kleinen, grünen Fischen, die „am ehesten wie Gurke“ schmeckten und ausschließlich in der Gegend zu fangen seien. „Laß uns mal Angeln gehen!“, schlug er vor. „Irgendwann.“ Bratenduft erfüllte den Raum. Wie berauscht blickte Rebecca, eine kleine französische Bulldogge, mit dem Ausdruck aller Beladenen dieser Welt in die Röhre. Nach und nach gesellten sich die anderen Hausgäste, Literaten und Übersetzer, um den Küchentisch, auf dem halb angetrunkene Flaschen und getrocknete Fische noch vom Vortag standen, dazu gab es Trinksprüche, auf englisch, französisch, lettisch, später auch russisch. Ich lernte Agathe kennen, eine fast durchsichtige Erscheinung mit leiser Stimme, die an der Sorbonne studiert und gerade ein kleines Appartement in der Pariser Innenstadt bezogen habe. Karl Valentin betrat pfeifend den Raum, zerrissen, aber in Lackschuhen. „Der Nachtwächter. Es wird sonst alles weggetragen, was nicht festgenagelt ist“, erklärte Gundars. „Das erscheint den Leuten ja wie ein Palast hier.“ Der Nachtwächter nahm einen großen Schluck, stehend und direkt aus der Flasche, verbeugte sich, lachte zahnlos und verschwand. Ich hatte soeben Imants Blums kennengelernt, der meist stumm bleiben sollte, denn seine Muttersprache, russisch, wurde hier – ungeschriebenen Gesetzen folgend – gemieden. Auch die anderen Hausangestellten, so würde sich bald herausstellen, waren stumm, zum Teil aus Scham, denn ihr Englisch war rudimentär. Nur die Chefin und ihre rechte Hand, Gundars Freundin, parlierten leicht in allen Zungen, baten mich schon am nächsten Tag, deutsch zu sprechen. „Damit wir nicht aus der Übung kommen.“ Als ein wunderlicher Professor für Turksprachen, Persisch und Tatarisch durch die Tür hinkte, floh Agathe panisch.

    Uldis konnte nichts für die Sozialphobie der jungen Französin. Er hockte Abend für AVentspilsbend in der Küche, wo ich ihn einmal, während ich auf das Geräusch kochenden Wassers wartete, dabei beobachtete, wie er in ein Glas mit gut STOGRAM Wodka etwa die selbe Menge Whiskey einschenkte und noch bevor sich die unterschiedlichen Flüssigkeiten miteinander vermischten, der eine dem anderen Tropfen GUTE NACHT sagen konnte, kippte er sich das Zeug herzhaft hinter die Binde. AHHHH. Ein älterer Herr mit einem Hüftleiden und dem Bild seiner Enkelinnen als Bildschirmschoner. Im nächsten Jahr würde er siebzig werden und gerade übersetzte der Mann junge, chinesische Lyrik ins Lettische. Der Verlag plante, einen schmucken Schuber mit seinem Gesamtwerk herauszubringen: Lyrik, Prosa, Übersetzungen. „Die bauen mir ein Mausoleum aus Papier! Nastrowje!“ Den Kater pflegte er mit einer doppelten der sonst üblichen Dosis des Antidepressivums zu bekämpfen, das ihm ein literaturbegeisterter Arzt aus Riga im letzten Frühling verschrieben hatte.

    Der Sturm trommelte weiter wütend gegen die Fenster, als der letzte in der Runde, Kasper, an den Tisch trat, um sich wortreich auf englisch zu entschuldigen. Die Übersetzung eines philosophischen Essays bereite ihm Kopfzerbrechen. „Hegel, ich kapier´s nicht!“ Er plapperte in schrillstem Falsett und schien verzweifelt. Gundars, der kein Wort verstanden hatte, schenkte dem jungen Slowenen einen Schnaps ein, doch Kasper lehnte ab und ließ seinen Kopf hängen, woraufhin sich Uldis das Glas schnappte.
    Am Tag meiner Ankunft blieb ein Stuhl leer; alle schwiegen mysteriös.

    In den nächsten Wochen schneite es zu Möwengeschrei, weitere Stürme folgten in unregelmäßigen Abständen. Die Innenstadt mit den Geschäften blieb meist leer. Ich lief durch die Gassen, zum Hafen, die Mole hinauf, durch den Park, wo bei gutem Wetter die Leute um die Bänke herum standen, die Wege vollgestopft mit schreienden Kleinkindern, Müttern jeden Alters. Dass die meisten zu wenig hatten, war ganz offensichtlich, Sachen, die lange halten, Dinge, die man noch reparieren konnte. Bald entdeckte ich einen großen Buchladen, dessen Auslagen ausschließlich russische Titel führten. Das ganze Viertel drumherum war mit den typischen Arbeiterblocks bebaut und der raue Straßensound, die Gesichter und Kleider erinnerten an die Sowjetunion. Die Leute im Haus würden später so tun, als wüssten sie nicht, von welchem Laden, welchem Stadtteil ich überhaupt redete. „Russisches Viertel? So was gibt’s hier nicht!“ In den engen Gassen rund um die einstige Synagoge, mit den Holzhäuschen, die wie geduckt beieinander standen, wich ich wild gewordenen Hofhunden aus, die mich durch die Ritzen der verschlossenen Pforten anknurrten. Alle Gardinen waren angegangen von der Zeit, dem Rauch, der Sonne. Manchmal hockte da eine Katze mit wachen Augen. Bis auf ein paar Jugendliche, die sich verschämt ein Bier an der Bank hinterm Planetarium teilten, sah ich nie jemanden öffentlich essen oder trinken. Kein Geld, keine Imbissbuden, stattdessen verrammelte Kneipen. Und dann gab es noch das gut besuchte Restaurant mit den Kellnerinnen in Bauerntracht, Haarkränzen, angeklebten Wimpern. Dort hockten die immer selben Mittdreißiger, junge Unternehmer, die es geschafft hatten, oder Ausländer auf der Durchreise sind. So wie ich.

    Nicht die Not ist das Schlimmste, sondern dass sie ertragen wird. Denn das Hinnehmen von Armut, während es Reichtum gibt, ist geistiges Versagen. (E. Mühsam)

    Seit zwei Jahrzehnten herrschte hier ein und derselbe Mann. Ein Ex-Kommunist, hohes Tier der alten Nomenklatura, der seinen Marx gründlich genug gelesen hatte, um zur rechten Zeit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ihm gehörte die kleine Stadt am Meer mit ihrem eisfreien Hafen, ihm, dem Ölmilliardär. Er hatte schon wegen Korruption im Knast gesessen, besaß Konten in Liechtenstein und der Schweiz. Davon gab er der Stadt und ihren Bewohnern gerade so viel ab, dass sie ihn, den Erbauer öffentlicher Sporteinrichtungen, mehrheitlich verehrten und wieder wählten. In Feudalherrenmanier gab er den Sponsor, hatte von den arbeitslosen Werftarbeitern Parks anlegen lassen und bezahlte, je nach Bedarf, die frische Farbe für dieses oder jenes Gebäude. Er ging sonnabends auf dem Frische-Markt einkaufen. „So wie wir“, sagten die Leute, „einer von uns.“ Und blickten dabei ängstlich. Es gab auch Supermärkte nach westlichem Vorbild mit vollen Regalen und Coca Cola, aber die Sachen waren zu teuer. Nicht für den Bürgermeister, den reichsten Mann im ganzen Land, aber für fast alle anderen.

    Das einstige Rathaus, das wir bewohnten, wurde aus EU-Geldern finanziert und bot Platz für sechs Stipendiaten. Jeder saß hinter seiner Tür, in einer fremden Stadt, umgeben von einer Sprache, die von gerade mal zweieinhalb Millionen Leuten gesprochen wurde. Eine der großen Dichterinnen eben jener, merkwürdigen wie alten Sprache, lebte im Zimmer neben mir. Sie hatte Kafka ins Lettische übertragen, Mandelstam und Achmatowa. Sachte, wie verwundet, hörte ich sie nachts durch die Flure schleichen.
    Eines Nachts stand sie vor meiner Tür, weinte und zitterte, konnte kein Wort herausbringen. Im Laufe der Nacht wurde mir klar, dass es die Stimmen in ihrem Kopf waren, die sie bedrohten. „Die wollen mich umbringen, mich und meinen Sohn.“ Sie bestand darauf, ihn anzurufen. Hatte sie seine Nummer? Ja, im Zimmer, aber da würde sie ums Verrecken nicht hineingehen können. Ich beschloss,den Nachtwächter um Hilfe zu bitten. Imants Blums sprach lange und geduldig mit ihr, führte sie ins Zimmer, überredete sie schließlich, ohne das Telefonat ins Bett zu gehen. Amanda verschwand von der Bildfläche, doch ich konnte sie nachts über den Flur schleichen hören und hoffte, die bösen Geister würden sie in Ruhe lassen.

    Die ohnehin schon kurzen Tage verflogen wie die Wolken am Himmel. Immer, wenn der Wind es zuließ, lief ich zum Meer, so oft, das sich die Kläffer im Hafenviertel an mich gewöhnten und zusammengekauert in ihren Hütten liegen blieben. Eines Abends begrüßte mich aus dem Nebengebäude des alten Rathauses, in dem zwei Waschmaschinen, ein Kaminzimmer und eine Sauna untergebracht war, herzhaftes, russisches Gezeter, Gläserklirren, Stimmengewirr. Als ich mich der Gesellschaft näherte, verstummten sie, wie erschrocken von sich selbst. Irina, die Putzfrau, stürmte mir entgegen, versuchte, mich ins Haus zu ziehen, weg von der kleinen Gesellschaft, die sich als ihre versammelte Großfamilie entpuppte. Genau genommen hörte ich sie zum ersten Mal reden, während ein deutscher Schäferhund überfreundlich an mir auf und absprang. „Zuhause kein Wasser. Wo waschen? Meine Kinder brauchen Kleidung.“ Soviel verstand ich. Ihr Mann eilte zur Hilfe, zwei Köpfe kleiner, als sie, eine zähe Gestalt ohne Schneidezähne, die Oberarme voll gestochen in irgendwelchen Kasernen oder Knästen. Doch beim Versuch, den Schäferhund zu bändigen, fiel er halbnackt in den Schnee. Irina erstarrte. Aus einer Dachluke hatte Imants Blums das ganze Schauspiel beobachtet. Er lachte laut auf, schmiss die Luke zu und flog die Treppen herunter, zu uns auf den Hof. Rasch half er Sergej aus dem Schnee auf, breitete seine Arme aus und schob uns sacht ins Kaminzimmer, wo das Gelage weiterging. Ich lernte die Großfamilie kennen, misstrauische, russischsprachige Letten, die zu acht in einer Wohnung ohne fließend Wasser hausten, Gezeichnete, das „Kainsmal der Armut“ (E. Mühsam) am Leibe. Das Wort führten die Männer. Sergej hatte in Afghanistan gekämpft, Imants war im lethargischen Chișinău stationiert gewesen, Kolja, der Schwiegersohn, lauschte andächtig. Eng ineinander verschlungen sangen sie traurige Lieder, während Irina mit ihrer Ältesten die Wäsche zusammenlegte. Die drei Kleinen waren nach dem Saunabesuch in ihre Handtücher gehüllt am Kamin eingeschlafen. Als Irina aufbrach, sie ins Bett zu bringen, folgte ich ihr erleichtert nach draußen. Die beiden Männer zeigten mir zum Abschied den Hitlergruß. Irina trug ihre Kinder durch den Schnee.

    Später, im Morgengrauen hörte ich die Polizei im Haus. Meine Zimmernachbarin hatte in einer neuerlichen Angstattacke ausgerechnet die örtliche Wache um Hilfe gerufen. Am nächsten Tag erwachte ich von der schrillen Stimme der Chefin, die laut und fordernd auf die Poetin einredete. Sie war auffällig geworden. „Nicht zum ersten Mal!“, wie man mir ungefragt versicherte, nachdem ich verständnislos in den Flur geblickt hatte, wo bereits die Koffer zur Abreise standen. „Wir haben schon mit der Klinik telefoniert.“ Ich brauchte frische Luft, lief durch den Ort und traf – zum letzten Mal – Amanda. Imants hatte ihr zur Flucht verholfen. „Und dein Gepäck?“ „Ich brauch es nicht.“ Lächelnd fuhr sie davon.

    Das Verhängnis des Künstlers ist seine Vereinsamung, seine selbstgewählte Abschließung von den Dingen des Volkes. Hier ist der schmerzlichste Grund der Kulturarmut dieser Zeit, hier die Mitschuld der Künstler an dem Entsetzen, das wir durchleben.

    (E. Mühsam)

    Schon am nächsten Morgen war Amandas Zimmer wieder bezogen. Der georgische Dichter entpuppte sich als Berlin-Kenner mit starkem Hang zum Pathos. Es dauerte nicht lange, bis er begann, die Küche zu besetzen, wo er das Rauchverbot aufhob, russisch und deutsch zu den neuen Verkehrssprachen erklärte und jeden seiner Sätze mit „Mein lieber guter Freund“ einzuleiten pflegte. Ich besuchte die Kollegen in ihren Zimmern, die sie, überfordert von der neuen Situation, kaum noch verließen. Agathe würde direkt zum nächsten Stipendium reisen. „Ich konnte mich hier nicht gut konzentrieren. In Italien wird das anders sein.“ Uldis trieb Heimweh um. „Ich hab meine Familie seit drei Monaten nicht gesehen.“ Kasper kämpfte immer noch mit Hegel. Er verbrachte ganze Tage in der örtlichen Bibliothek, wurde schweigsamer und schien sich vor dem Georgier zu fürchten. Der lud uns alle zum Essen ein, unser Nachtwächter würde kochen.

    Imants Blums bereitete pfeifend einen Karpfen zu. Er trug dabei einen knallgrünen Dederonanzug und erwies sich als außerordentlicher Koch. Sogar Agathe überwand ihre Scheu und setzte sich für den Hauptgang zu uns an den Tisch. Uldis trug zur Feier des Tages eine Krawatte. Bei einer guten Flasche Rotwein erklärte uns der Georgier weltmännisch, dass er Besuch erwarte. Seine Verleger. Den Kontakt habe Peter Handke hergestellt. Während er sich in Rausch redete; der Name des berühmten Dichters fiel wieder und wieder; beobachtete ich das nervöse Minenspiel Kaspers. Er trank, gegen seine Gewohnheit, mit, auch die Schnäpse, die Uldis schneller ausschenkte, als ein turkmenischer Uhu fliegen kann. Zum Dessert hatte er seine Schweigsamkeit begraben, was wiederum den Georgier nervös zu machen schien. Er reagierte auf die englischen, ihm unverständlichen Worte des schwulen Hegelübersetzers, als steckte ihm eine tote Maus im Hals. Als Kasper unvermittelt auflachte, schrie ihn der Georgier – aus allen Zusammenhängen gerissen – nieder: „Was hast du gesagt? Willst du mich beleidigen?“ Knall auf Fall feuerte er eine volle Bierflasche auf den Slowenen ab, die dessen Kopf nur knapp verfehlte. Ich sah, wie er erneut zur Flasche griff und versuchte, ihn am Abwurf zu hindern. Es krachte in Knochen und Küche. Die Wucht des Schlags hatte mir augenblicklich die rechte Hand gebrochen. Immerhin, Kasper lebte noch, auch diese Flasche hatte ihn verfehlte. Der Professor musste sein ganzes Körpergewicht einsetzen, um den tobsüchtigen Dichter schließlich zu Boden zu zwingen. Imants Blums, ein Messer in jeder Hand, seufzte und schwieg. Kasper war verschwunden. Er floh noch in der gleichen Nacht.

    Am nächsten Morgen parkten tatsächlich schwarze Limousinen vor dem Haus. Waren die Verleger gekommen, dem kommenden Stern am Buchmarkt zu huldigen? Würde der Oligarch folgen? Ich packte meine Sachen, einhändig, und benutzte den Hinterausgang. Am Busbahnhof traf ich auf Gundars, den frischgebackenen Vater, der sich empörte: „Rebecca ist schwanger. Von einem Schäferhund!“ Den Anblick meiner geschwollenen Hand quittierte er achselzuckend: „Dann angeln wir eben das nächste Mal!“ Als ich Ventspils hinter mir ließ, setzte strömender Regen ein. Frühling.

    Es regnet im Babylonischen Kiez.
    Fremde Sprachen hinterm Regenvorhang.
    Rote Rinnsale Häuserwände entlang.
    Unterspülte Fundamente.
    Aus Turmgemäuer errichtet unser Haus –
    wie alles aus Trümmern hier.
    Sieben Wörter versteh ich in deiner Sprache.
    Regen so freigiebig und gefährlich wie Liebe.
    Regenbäche werden das Haus mit sich fortreißen,
    weiter noch von den Trümmern gemeinsamer Sprache.

    Amanda Aizpuriete

    von Manja Präkels

     

    Der Text ist in gedruckter Form in der aktuellen Ausgabe der Abwärts! sowie der Erich Mühsam Fest-Schrift NOLO erschienen.

     

     

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